Mindestlohn

Diese Glaubensfrage zum Mindestlohn bestimmt gegenwärtig die wirtschaftspolitische Diskussion in Deutschland: Wird der zukünftige Mindestlohn von 8,50 Euro zum Verlust von Arbeitsplätzen führen? Eine Umfrage unter Unternehmen zeigt aber klar auf, dass diese nicht mit großen Arbeitsplatzverlusten rechnen.

Die Arbeitsministerin Andrea Nahles ist sich sicher: Der Mindestlohn komme genau nach Plan. Doch im Vorfeld dieser europäischen Normalisierung haben viele Interessenvertreter von Unternehmen sich als Bedenkenträger entpuppt. Offiziell fürchten sie um die Sicherheit der Arbeitsplätze, hinter vorgehaltener Hand machen sie sich Sorgen um ihre Profite. Bezahlte Experten der Unternehmen stimmen in den Klagegesang ein, möglicherweise auch, weil sie mehr Ausnahmen für ihre Klienten herausholen möchten.

Besonders aktiv gegen den Mindestlohn wurde der Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände. Der Gesetzesentwurf von Frau Nahles müsse dringend überarbeitet werden. Die deutschen Arbeitsplätze seien gefährdet, wenn ein flächendeckender Mindestlohn auch für Minderleister greife. Für Langzeitarbeitslose entstünden unüberwindliche Hürden zum Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Doch der Arbeitgeberpräsident repräsentiert wohl nicht die tatsächliche Meinung der Unternehmen. Denn diese sehen nach einer Umfrage des wirtschaftsfreundlichen Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung dem neuen Mindestlohn sehr gelassen entgegen, wie die Onlineplattform der ZEIT melden konnte. Nur fünf Prozent der repräsentativ befragten Unternehmen rechnet für 2014 mit weniger Einstellungen oder gar mit Entlassungen, wenn der Mindestlohn eingeführt wird. Auch für das Folgejahr wird die Einstellungspolitik eher auf Expansion ausgerichtet sein.

Trotzdem halten viele Wirtschaftsexperten an ihrer Negativeinstellung gegenüber dem Mindestlohn fest. Betroffen wären in erster Linie Geringverdiener, die mittels Hartz-IV ihr knappes Einkommen aufstocken müssten. Allerdings ist nicht zu übersehen, dass die Möglichkeit des Aufstockens bisher viele Unternehmen genutzt haben, um ihre Personalkosten zu Lasten der Staatskasse zu reduzieren. Der neue Mindestlohn könnte diese Praxis einschränken, möglicherweise der Grund für die Interessenvertreter der Unternehmen nach vielen Ausnahmen zu rufen.