Verhandeln – nicht Bestrafen

Für dieses Vorgehen spricht sich Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft BVMW, ganz entschieden aus. Damit vertritt er die genau entgegengesetzte Linie von Anton Börner, dem Präsidenten des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, kurz BGA. Börner fordert von EU und Bundesregierung noch weitergehende und schärfere Sanktionen gegen Russland in dem seit Monaten anhaltenden Ukrainekonflikt. Mario Ohoven sieht es genau umgekehrt und betont wiederholt, dass die Situation nur am Verhandlungstisch lösbar ist.

Aktionen und Sanktionen ziehen Reaktionen nach sich. Die helfen keinem; am wenigsten den westlichen Ländern, die sich mit solchen Strafaktionen zwar profilieren, ihrer eigenen Wirtschaft damit aber erheblichen Schaden zufügen. Ohoven betont, dass die deutsche Wirtschaft schon jetzt spürbare Umsatzrückgänge verzeichnet, während sich China als neuer Handelspartner von Russland bewähren wird. Russland kann den Wegfall des Westens kompensieren, während Deutschland, einen wichtigen Handelspartner verliert. Davon wird besonders hart der Mittelstand betroffen. Im Übrigen sei überhaupt nicht abzuschätzen, wie sich diese Konfrontationssituation in einem kalten und langen Winter in Bezug auf die Erdgaslieferungen aus Russland auswirken kann. Verträge hin oder her; wenn kein Gas durch die Leitungen kommt, dann bleiben die Haushalte in Deutschland ungeheizt.

Jede Art von sogenannten Bestrafungen zwingt Russland dazu, sich nach Alternativen umzusehen. Die gibt es in der heutigen Zeit zur Genüge, so wie mit den Schwellenländern Indien, Brasilien oder auch China. Was bisher im Sinne von Deutschland und dem Westen alternativlos ist, bekommt plötzlich eine ungewollte und ungeahnte Konkurrenz. Ohoven nennt als Beispiel das internationale Zahlungssystem Swift. Sobald Russland hier ausgeschlossen wird, ist China mit seinem Kreditkartensystem UnionPay zur Stelle. Die Strafenden schaden damit ihrer eigene Wirtschaft und deren Leistungskraft.

Russland muss nach Ansicht von Mario Ohoven durch eine geschickte Verhandlungsführung, ohne Gesichtsverlust nach außen, aus der Ecke herausgeholt werden, in die es sich manöveriert hat. Das wird schwierig genug. Strafen und Sanktionen klingen zwar populär und nach viel Aktionismus, wirken aber in vielen Fällen wie ein gewaltiger Bumerang.

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